Einen Versuch war es allemal wert …

    Liebe Leser unserer Gemeindenachrichten,

    Einen Versuch war es allemal wert – den Alltag Alltag sein zu lassen und einfach abzuschalten. Nennen wir es Urlaub oder Ferien oder einfach: die Freiheit genießen. Ausbrechen aus dem Altbekannten, der Tagesordnung, der Gleichförmigkeit. Schließlich darf nicht über allem der Kalender und die Stoppuhr regieren. Der Stundenplan ist abgehakt. Manche Kontrollen erbracht. Na ja, auch Bewertungen blieben nicht aus. Ob auf dem Zeugnis oder auf dem Kontoauszug. Was man verdient hat, steht schwarz auf weiß. Was sich gelohnt hat, steht auf einem anderen Blatt.

    Einen Versuch war es allemal wert – die Tür aufzumachen und ins Weite zu treten. Dahin, wo einen die Decke nicht mehr auf den Kopf zu fallen droht. Aufatmen. Grenzen zu überqueren, zu durchfahren, zu überdenken. Dahinter fand sich Befremdliches und Erstaunliches, Nervendes und Erbauendes. Für eine Zeit sollte man sich darauf einlassen können. Erst recht bei schönem, hochsommerlichem Wetter ist Stoffwechsel angebracht – Stoffwechsel in jeder Hinsicht: Klamotten, Lektüre, Nahrung, Luft. Es darf auch mal etwas anderes sein. Das tut gut.

    Einen Versuch war es allemal wert – das meinen auch die Mitarbeitenden unserer Kindertagesstätte
    „St. Marien“, die über Ostern gleich mehrere Grenzen überflogen, um schließlich mit neuen Impulsen und Anregungen – auch mit neuen Ansichten – von ihrem Arbeitsbesuch aus unserem Partnerkirchenkreis am Kilimandscharo in Tansania wohlbehalten zurückgekehrt sind. Viele Eindrücke und Erzählungen haben sie mitgebracht. Für die Kinder, die wir Ihnen anvertrauen, ganz gewiss sehr bereichernd. Es öffnet sich ein neues Weltbild für diejenigen, die so einen Schritt wagen. Und es bereichert den Glauben, wenn man im entfernten Afrika mit Menschen Gottesdienst feiern, miteinander singen und tanzen kann; mit Leuten, die unter ganz anderen Voraussetzungen als Christinnen und Christen in „ihrer“ Welt leben.

    Zu diesem Versuch gehörte der Besuch, und nun auch der Gegenbesuch von einigen Mitgliedern des „Amkeni“- Chores, die zusammen mit dem Chor des Marienberger Gymnasiums in unserer St.-Marien-Kirche ein Konzert gaben. Bunt ging es zu und fröhlich – und die Besucher wurden in die aufgeweckten und wachrüttelnden (so die Bedeutung des Chornamens) Rhythmen mit hineingenommen.

    Die Kirche ist m. E. der ideale Ort für einen solchen „Kulturversuch“, wie die jährliche Veranstaltungsreihe des Gymnasiums genannt wird. Wo sonst, wenn nicht in unseren Reihen, sollten die farbigsten und vielfältigsten Begegnungen möglich werden. Das weitet den Horizont, öffnet Grenzen, bringt auf andere Gedanken. Dazu möchten wir auch außerhalb der sommerlichen Ferienstimmung jeden Sonntag in Gottesdiensten beitragen. Offen sind sie für alle, die den Alltag Alltag sein lassen wollen und sich auf Stoffwechsel einlassen. Herzliche Einladung. Einen Versuch ist es allemal wert.

    Einen mutigen Start ins neue Schuljahr und in alte Verpflichtungen mit kulturellen und geistlichen Impulsen wünscht Ihr Pfarrer Volkmar Freier