Aussteigen

    Liebe Gemeinde!

    An dieser Bank bin ich wohl schon ein paar Mal mit dem Auto einfach so vorbei gefahren. Irgendwie immer in Eile, irgendwie immer nur ein flüchtiger Blick. Dabei der Gedanke: Hier müsste man sich hinsetzen, ausruhen einfach und die schöne Aussicht in die Ferne so richtig genießen. Aussteigen müsste man einfach einmal.

    Aussteigen! Doch ich bin immer nur vorbeigefahren. Es ging halt nicht anders – so rede ich es mir ein. Zeitverschwendung! Was soll das auch, so zu tun, als hätte man nichts anderes, nicht Wichtigeres, nichts Besseres im Sinn: all das, was der Kalender vorschreibt. Oder die eigene Befindlichkeit. Auf so einer Bank im Wald – ich könnte es doch keine drei Minuten mit mir allein aushalten. Ja, die Aussicht ist fantastisch. Aber Kultur geht schließlich vor Natur!

    Aussteigen? Zu spät. Längst bin ich weitergefahren. Auch mit meinen Gedanken bin ich schon darüber hinweg. Plötzlich steigen dann doch Erinnerungen in mir auf an die eine oder andere schöne Rast am Waldesrand. Mit meinen Eltern früher in der Kindheit, an Sonntagsspaziergängen, an Urlauben mit meinen Kindern. An Arbeitspausen im Wald mit meinem Vater an der Seite. Das hat richtig gut getan. Mitunter waren es gerade die spontanen Unterbrechungen im Alltag, die man gar nicht geplant hatte. Da wurde das Herz weit und für ein Gespräch bereit. Natur und Kultur kamen unverhofft zueinander.

    Aussteigen? Viele von uns haben gerade jetzt im Sommer die Gelegenheit dazu. Solch eine „Erholungsbank“ steht nicht nur am Strand im fernen Ausland, sondern vielleicht nur einen Katzensprung entfernt. Nehmen Sie Platz! Auch Gott lädt sie dazu herzlich ein. In der Ruhe liegt die Kraft, natürlich auch die Glaubenskraft. Der Blick schweift in die Weite – so etwas ist ganz entscheidend für unser Vertrauen: Wir bleiben nicht bei uns selbst. Wir denken und reden über Gott und die Welt. Am Horizont kreuzen sich all diese Grübelein.

    Aussteigen hat seine Berechtigung! Im Gottesdienst am 2. September werden wir Stefan Seifert aus seiner hochengagierten Arbeit in der Jungen Gemeinde Marienberg verabschieden. Wir sind ihm vom Herzen dankbar für die ehrenamtliche Jungendarbeit in unserer Stadt. Ausruhen wird er sich wohl trotzdem nicht – darum wünschen wir ihm Gottes reichen Segen auf allen weiteren Wegen, die zunächst nach Dresden führen.
    Gleichzeitig freuen wir uns über die Möglichkeit einer Neueinstellung: Carolin Müller wird als Gemeindepädagogin Kindern und Jugendlichen eine gute Begleiterin und sicher auch Banknachbarin sein. Unser HERR segne sie in ihrem Dienst – und ihrer Freizeit!

    Einen sonnigen und geruhsamen Sommer wünscht Ihnen
    Ihr Pfarrer Volkmar Freier