Blick … auf das malerisch gelegene Herrnhut

Unser Blick geht vom Aussichtsturm des Hutberges auf das malerisch gelegene Herrnhut – im Hintergrund die Berge des Zittauer Gebirges. 1722 gelangten die ersten Asylsuchenden aus Böhmen und Schlesien, die wegen ihres evangelischen Bekenntnisses ihre Heimat verlassen mussten, hier an.unser Blick geht vom Aussichtsturm des Hutberges auf das malerisch gelegene Herrnhut

Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (1700 – 1760) gewährte ihnen auf seinem Grundbesitz Zuflucht. Die Asylsuchenden waren gute Handwerker und Bauern. Schnell entstanden die ersten Häuser und eine kleine Holzkirche.
1727 kam es dann zur Gründung der Herrnhuter Brüdergemeine. Graf Zinzendorf war der Architekt dieser neuen Gemeinschaft und hatte viel Menschenkenntnis und juristischen Sachverstand, solch einen Haufen von „Sonderlingen“ zu einer funktionierenden Ortsgemeinschaft zu formen. Auch seine kluge Frau Erdmute Dorothea mit ihrer Organisationsgabe und ihrem Mitgefühl prägte die schnell wachsende Brüdergemeine. Täglich versammelte man sich zur Andacht und Bibelstudium, zur gemeinsamen Singstunde und Gebet.
Dem Grafen gefiel das und er trug mit vielen, eigens dafür komponierten Liedern, zu einem fröhlichen Gesang bei. Das Wort Gottes war ihm wichtig und half dabei, dass die Brüdergemeinde auch in Streitigkeiten beisammen blieb.
Zinzendorf gab für jeden Tag eine Parole aus, ein Bibelvers, den die Bewohner Herrnhuts „ins Gemüt und Herz“ hineinnehmen sollten.  Ab 1731 gab es dann diese Tageslosungen in gedruckter Version.
Aus 1.824 alttestamentlichen Bibelversen werden jedes Jahr die Tageslosungen gezogen. Allein die deutsche Ausgabe hat eine Auflagenhöhe von einer Million. In 61 Sprachen können diese Losungen als Ermutigung für den Tag gelesen werden.
Die Herrnhuter Brüdergemeine gäbe es heute wahrscheinlich gar nicht mehr, wenn nicht dieses trostreiche Wort das Leben der Einzelnen gestärkt und zu immer wieder versöhnlichem Handeln angeleitet hätte. Auch Johann Wolfgang Goethe muss wohl eine zeitlang in dem Herrnhuter Losungbüchlein gelesen haben.

Ich empfehle meinen geneigten Lesern diese geistlichen Impulse, die es seit 285 Jahren gibt, zu lesen, oder wie Graf Zinzendorf es formuliert: „ins Gemüt und Herz“ hineinzunehmen.

Ihr Pfarrer Frank Hadlich-Theml

[aus: Gemeindenachrichten Juni/ Juli 2016]

zum Seitenanfang