Das gibt’s nur alle paar 100 Jahre

Festumzug und Glockenweihe auf dem Marktplatz Marienberg
am 3. September 2017

Ein Beitrag von Dieter Oehme
[und hier als PDF]

„Was sie heute hier sehen, das gibt’s nur alle paar hundert Jahre“. Der das sagt muss es wissen.

Christiane Winkler beim Interview mit Peter Grassmayr und Anke Rudloff
Moderiert von Christiane Winkler (rechts) geben Glockengießer Peter Grassmayr (links) und Designerin Anke Rudloff (Mitte) Auskunft zur Entstehung der Glocken. Foto: D.Oehme

Peter Grassmayr, Mitinhaber der Firma Grassmayr Glockenguss GmbH aus Innsbruck, welche die neuen Glocken für die Sankt Marienkirche der Bergstadt gefertigt hat. Der Holzmarkt am Wochenende, der sich schon langjähriger Tradition erfreut, bot den geeigneten Rahmen, um das neue Vierergeläut des Gotteshauses hautnah zu präsentieren, ehe es an seinen eigentlichen Platz in ca. 50 Metern Höhe über den Dächern der Stadt, pünktlich zum 500 jährigen Reformationsjubiläum, gehoben wird.

Dieses Ereignis war es der Marienberger Gemeinde wert, einen Festzug zu organisieren, welcher von der Kaserne, dem vorübergehenden Einlagerungsort der Glocken, durch die Stadt, vorbei an der Kirche zum Markt führte, wo sie in extra dafür angefertigte Gerüste provisorisch eingehängt wurden.

Damit findet auch die Sanierung und Erneuerung der Bergkirche ihren krönenden Abschluss.

Bis dahin war es jedoch ein langer Weg. Erst die großzügigen staatlichen Förderprogramme zur städtebaulichen Erneuerung, die nach der Deutschen Wiedervereinigung ausgereicht wurden, bildeten die Grundlage. derartige Vorhaben Wirklichkeit werden zu lassen.

Beginnend mit dem Kirchendach und -turm, der Orgel bis hin zur Innenausstattung und dem Altar wurde die gesamte Kirche einer Erneuerungskur unterzogen.

Aufgrund eines im Herbst 2013 ausgesprochenen (teilweisen) Läuteverbotes der alten Eisenhartgußglocken war schließlich auch die Erneuerung der Glockenanlage angezeigt, beschreibt Roy Müller, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Klingende Glocken für St. Marien, die Aufgabe der Kirchgemeinde.

Das Vorgängergeläut wurde für Kriegszwecke abgeholt und eingeschmolzen.
Die drei Eisenhartgußglocken, welche 1918 unter großer Anstrengung der Gemeinde wenigstens die Friedensweihnacht nach dem 1. Weltkrieg einläuten konnten, haben nun im Stadtgebiet eine würdige Ruhestätte gefunden. Glück im Unglück, das weniger wertvolle Eisengeläut bewahrte die Marienberger vor der Abholung sämtlicher Bronzeglocken für die Waffenproduktion im Jahre 1942.
Seit fast 100 Jahren haben somit Generationen von Marienbergern nur noch den harten, scheppernden Klang der Eisenglocken im Ohr. Doch am Ende des Weihegottesdienstes hallte der Wohlklang der vier bronzenen Schwestern, welche fürs erste mit einem Hammer angeschlagen und mittels Mikrofon verstärkt wurden, über den Marktplatz.