Der Bundespräsident zu Gast

    Der Bundespräsident zu Gast in unserer St. Marienkirche und in unserer Stadt

    Bundespräsident  J. Gauck

    Es ist viele Wochen her, als der erste Anruf von Herrn Schwarzenberger vom ZDF in unserem Pfarramt eintraf. „Der Bundespräsident möchte in diesem Jahr das Weihnachtskonzert im Bundesland Sachsen veranstalten“, so Herr Schwarzenberger. Es wurden vier Kirchen auserwählt, darunter die St. Marienkirche.

    Alles sollte noch geheim gehalten werden, denn die Mitarbeiter des ZDF wollten sich erst vor Ort umschauen. Wieder vergingen Wochen bis der erfreuliche Anruf von Herrn Schwarzenberger einging:„Der Bundespräsident hat sich für die St. Marienkirche entschieden“. Natürlich war ein Vorteil, dass die St. Marienkirche heizbar ist. Für den Kirchenvorstand und die Mitarbeiter war das eine freudige Nachricht, die trotzdem noch intern behandelt werden sollte. Was für eine Werbung für unsere Kirche würde da in das ganze Land hinaus strahlen!
    Und was für eine Botschaft, die unsere Kirche verkündigen darf!
    Nachdem es sich dann doch langsam „herum gesprochen hatte“, wurden nicht nur positive Meinungen und Stimmen laut. Im Gegenteil, die Pfarrer und die Mitarbeiter durften sich von nun an viele böse Worte anhören. Die häufigste Frage war die, wer da
    eingeladen sein wird. Der Kirchenvorstand hatte die schwere Aufgabe, 40 Einladungen mit Begleitung zu vergeben. Ebenso wurden 40 Einladungen an die Stadt und 20 an den Landkreis vergeben. Über diese Anzahl hatte das Bundespräsidialamt entschieden, die Kirchgemeinde hatte lediglich die Kirche zur Miete überlassen und konnte somit nicht
    entscheiden, wie viele Gäste eingeladen werden. Wie schon gesagt, stand der Kirchen-
    vorstand vor einer schweren Aufgabe. In einer Sitzung wurde dann entschieden, die Plätze an die Mitarbeiter zu vergeben, die ehrenamtlich viele Dienste tun und dafür kein Geld erhalten. Bei unserer Kirchgemeinde mit ca. 250 ehrenamtlichen Mitarbeitern war
    das nicht einfach. Alle, die wir mit dieser Auswahl und Entscheidung nicht bedacht haben und auch nicht konnten, bitten wir hiermit um Verständnis. Wir hatten nur eine geringe Möglichkeit und sind uns dennoch sicher, dabei richtig gehandelt zu haben.
    Die Mitarbeiter, die nun über eine Woche täglich mit dem ZDF in der Kirche zu tun hatten, empfanden die Zusammenarbeit als sehr entspannt und freundlich.

    Bundespräsident Gauck und Frau Schadt

    Bild: Uwe Theml, Marienberg

    „Das sind ganz normale Leute wie Du und ich“, so unser Kirchner Herr Boldt. Und alles verlief nach Plan. Manchmal fast lautlos wurde die Kirche Stück für Stück umge- baut und für das Konzert mit Scheinwerfern und Kameras ausgerüstet. Alle Räume der Kirche und im Pfarrhaus waren besetzt. Schilder wie „Maske“ und „Johannes B. Kerner“ waren an den Türen angebracht. Es herrschte „Ausnahmezustand“ in Kirche und Pfarrhaus und für uns Mitarbeiter war das mehr als interessant und keineswegs „belastend“. Wer zum Gottesdienst am 3. Advent einen Blick in die Kirche werfen konnte, musste feststellen, dass sich Einiges verändert hatte.

    Das Weihnachtskonzert selbst war ein musikalischer Höhepunkt für unsere Kirche. Künstler wie Diana Damrau, Thomas Quasthoff, Cameron Carpenter, Sumi Hwang, Patrick Lange und die Schauspielerin Pegah Ferydoni begeisterten ebenso, wie der Dresdner Kreuzchor und die Sächsische Staatskapelle Dresden. Der Bundespräsident
    und Frau Schadt, sowie Herr Tillig und seine Ehefrau machten für die Zuschauer einen sehr bescheidenen und freundlichen Eindruck. Johannes B. Kerner als Moderator hat das Ganze mit seiner bekannten „Leichtigkeit“ verbunden und abgerundet.
    Trotz aller negativen Stimmungen und Meinungen, die uns von vielen Gemeindegliedern, aber auch durch die Presse zugetragen wurden, betrachten wir dieses Ereignis als Höhepunkt in unserer St. Marienkirche und in unserer Stadt. Der Bundespräsident,
    ein Mensch „wie du und ich“, wird Marienberg sicher in guter Erinnerung behalten!

     

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