Dezember 2019 Gemeindenachrichten

Liebe Leser unserer Gemeindenachrichten,

im Jahr 1616 haben die Marienberger Altarbild St. Marienentschieden, sich über das ganze Jahr hinweg in ihrer Kirche an Weihnachten erinnern zu lassen.
Seitdem ist der versammelten Gemeinde das Altargemälde von Kilian Fabritius, dem kurfürstlichen Hofmaler aus Dresden, vor Augen. Karfreitag, Ostern, Pfingsten, zur Taufe, Konfirmation oder Kirchweih – unsere Blicke werden magisch angezogen von diesem warmen Licht, das sich aus der Dunkelheit herausschält.

Auch aus der Dunkelheit des Gemäldes selbst. Je weiter sich unsere Blicke an die Ränder herantasten, desto schwerer wird es, etwas zu erkennen. Wie von selbst soll es gelingen, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Und da liegt es, das Kindlein – nein nicht: auf Heu und auf Stroh, sondern in den lockeren Händen Marias. Beinahe hat man den Eindruck, es schwebt in großer Leichtigkeit, unverkrampft, mit viel Bewegungsspielraum. Während all die Erwachsenen sich dicht aneinander drängen, hält man zum Heiland mit allem Respekt der Welt vornehm und dennoch vertrauensvoll Distanz. Maria selbst macht keinerlei Anstalten, ihr Kind für sich allein zu vereinnahmen.

Erhobenen Hauptes begegnet sie der kunterbunten Gästeschar mit freudiger und ruhiger  Offenheit, als wolle sie alle beruhigen: Keine Sorge, das Christkind, euren Erlöser nimmt Euch niemand mehr weg. ER bleibt in eurer Mitte. Macht euch hier ein Bild von Gott. Ein Bild, das so anders ist, als ihr euch bisher eingebildet habt. Und dann bewegt in euren Herzen und Gedanken die Botschaft von diesem freudigen Ereignis. Ja, ihr befindet euch jetzt in der Kinderstube des Glaubens. Habt eure Erwachsenenwelt für einen Augenblick draußen gelassen. Sie ist zurückgeblieben hinter den dunklen Rändern dieser Sternstunde. Ihr habt euch für diesen Moment abgesetzt von eurem Unentbehrlichkeitsdruck und der Zeit-ist-Geld-Propaganda. Rein äußerlich sieht man euch zwar noch etwas an von den Mühen des Lebens und seinen kleinen Belohnungen. Jetzt aber ist Bescherung angesagt. Es steht euch im Gesicht geschrieben, dass euch das mehr gefällt als an den Kassen in der Schlange zu stehen.

So hat sich unvermittelt das Gemälde zu uns hin geöffnet –  über all die Jahrhunderte hinweg. Mit jedem Besuch in unserer Kirche betreten wir immer wieder die Geburtstube Gottes auf Erden –  zurückhaltend und feierlich, als ob wir IHM zum ersten Mal begegneten. In der Weihnachtszeit vielleicht am Spürbarsten, lässt ER sich durch das Christkind in SEIN Herz schauen. Wie schön, wenn sich unser Glaube dann selbst wie neugeboren anfühlt.

Niemandem zwingt sich Gott auf in der Heiligen Nacht. Selbst die göttlichen Buchstaben auf dem Band der Verkündigung erschließen sich uns nicht plakativ, sondern so geheimnisvoll wie der Glaube selbst. Da, wo es von oben beinahe Maria streift, wird ein Wort wenigstens lesbar – sie können es entdecken: ùìåí (Schalom), Frieden. Dieses himmlische Versprechen aus dem Lobgesang der Engel steht wie eine Überschrift in der Mitte des Weihnachtsgemäldes.

Christus ist unser Frieden. Und mit seiner Anwesenheit erleuchtet ER das ganze Haus – mit allen seinen Gästen.

In froher Erwartung auf ein Wiedersehen zum freudigen Ereignis,
mit besten Wünschen für ein gesegnetes Christfest und für ein friedliches neue Jahr,

Ihr Pfarrer Volkmar Freier