Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand

Liebe Leserinnen und Leser,

durch einen kürzlich von mir begleiteten Trauerfall bin ich auf ein Lied von Arno Pötzsch (1900-1956) aufmerksam geworden, das mich immer noch bewegt.
Frau Dr. Margot Kässman hatte daraus zitiert, als sie auf einer öffentlichen Pressekonferenz ihren Rücktritt von allen kirchlichen Ämtern  bekannt gab.
„Mir gibt es Trost zu wissen, dass man nie tiefer fallen kann, als in Gottes Hand“ so sagte sie damals, als sie wegen der nächtlichen Alkoholfahrt am öffentlichen Pranger stand.

„Du kannst nicht tiefer fallenWege
als nur in Gottes Hand,
die er zum Heil uns allen
barmherzig ausgespannt.

Es münden alle Pfade
durch Schicksal, Schuld und Tod
doch ein in Gottes Gnade
trotz aller unsrer Not.

Wir sind von Gott umgeben
auch hier in Raum und Zeit
und werden in ihm leben
und sein in Ewigkeit.  (EG 533)

Arno Pötzsch hat diese Zeilen geschrieben, als er 1941 als Marinepfarrer in Holland stationiert war.
Viele zum Tod verurteilte Marinesoldaten hat er auf ihrem letzten Weg begleitet, die Beichte gehört und Trost aus dem Wort Gottes gegeben. Das Leben beschreibt er nüchtern als schicksalhaft von Schuld, Not und Tod begleitet. Aber seine Worte kommen über Raum und Zeit hinaus und berühren Ewiges.
Auch Rainer Maria Rilke in seinen Herbstgedanken von den fallenden Blättern formuliert mit verwandten Gedanken:fallen
„Wir alle fallen …
Und doch ist einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.“

Gott ist also einer, der seine bergenden und liebenden Hände ausgestreckt hält und besonders die, die fallen, auffängt.
Deshalb hat Pötzsch sein Gedicht auch „Unverloren“ genannt.

Ihr Pfarrer Frank Hadlich- Theml

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