Gedanken zur Jahreslosung 2019

Liebe Leser unserer Gemeindenachrichten im März 2019,

„Ein Jäger aus Kurpfalz, der reitet durch den grünen Wald,
er schießt das Wild daher, gleich wie es ihm gefällt.
Juja, juja, gar lustig ist die Jägerei
allhier auf grüner Heid’, allhier auf grüner Heid’.“

Naja, ob das so lustig ist oder jemals war, wage ich doch zu bezweifeln. Für mich ist sie eher eine fremde Welt – die Jägerei. Aus sicherer Entfernung vor der Kinoleinwand staunt man über ausladende Tafelrunden nach erfolgreicher Jagd, bisweilen wird es einem beinahe übel bei den Großaufnahmen erlegter, noch blutender Tiere. Hier und da stößt man gemeinsam ins Horn und manch einem wird nachgesagt, er habe wahrhaftig einen Bock geschossen.

Aber so lustig ist das dann wohl doch nicht: Beim Anblick eines Hochstandes am Waldrand braucht es nicht viel Fantasie, sich vorzustellen, wie einsam die Jägerei ist. Wie da jemand stundenlang in stoischer Stille und Geduld bei sinkenden Temperaturen wartet und sorgfältig Ausschau hält, bis sich irgendetwas Lebendiges regt. Und dann gilt es längst nicht, einfach drauf zu halten und loszuballern. Dann ist Behutsamkeit und solide Kenntnis gefragt. Schließlich ist das kein Räuber-und Gendarm-Spiel, sondern nachhaltige Pflege und Bewahrung eines Stücks unserer Umwelt.

Jagen ist heute jedenfalls mehr als schießen, töten und schlachten. Aber wenn es dazu kommt, ist größte Sorgfalt und ein hohes Maß an ethischer Reife geboten, um so schonend wie möglich in den natürlichen Kreislauf einzugreifen. Die Vorbereitung und die permanenten Kontrollen für diejenigen, die sich diesem durchaus kostspieligen Unterfangen unterziehen, sind ausgesprochen aufwendig. Schwere Prüfungen, hochpreisige Ausrüstungen, teure Reviere, strenge Regularien – das ist alles andere als nur „lustig“.

Leidenschaft dagegen braucht´s schon. Daran möchte wohl unsere aktuelle Jahreslosung aus Psalm 34, 15 erinnern, wenn es heißt: „Suche Frieden und jage ihm nach.

Ihm nach!“ – Nein, keiner Person oder irgendeiner armseligen Kreatur!
Eine Sache meint das Objekt in dem Satz: ein Lebensstil, eine Wirklichkeit, nach der wir alle große Sehnsucht haben: „Frieden“. Diejenigen, die in dieser Sache unterwegs sind, wie die beiden „Friedensfahrer“ auf dem Titelbild dieses Gemeindebriefs, das beim Fahrrad(spenden)marathon für Hilfsprojekte in Tansania entstanden ist, strengen sich an, zeigen Sportsgeist und Ausdauer.
Ja, auch das ist eine Möglichkeit dem Frieden auf der Spur zu bleiben in einer Welt der puren Schnäppchenjäger und Pistolenhelden. Wo wir uns selbst manchmal wie Gejagte und Getriebene fühlen, ist es regelrecht heilsam, den Spieß einmal herumzudrehen und sich auf eine Hoffnung zu konzentrieren, die so flüchtig ist wie ein Lebenszeichen auf der Lichtung des finsteren Waldes.

So lassen wir es nicht einfach laufen in diesem Jahr. Vielmehr bleiben wir ihm auf den Fersen, leidenschaftlich und geduldig, damit er uns nicht entwischt: der Friede, der sich bisweilen so diebisch und beinahe unmerklich zu entziehen versucht.

„Weidmannsheil“ in diesem Sinne und Schalom für das Jahr 2019,
Ihr Pfarrer Volkmar Freier