Glocken in Satzung

Und dies sei fortan ihr Beruf,
wozu der Meister sie erschuf:
Hoch über‘m niedern Erdenleben
soll sie im blauen Himmelszelt,
die Nachbarin des Domes, schweben
und grenzen an die Sternenwelt;
soll eine Stimme sein von oben
wie der Gestirne helle Schar,
die ihren Schöpfer wandelnd loben
und führen das bekränzte Jahr.
Nur ewigen und ernsten Dingen
sei ihr metallner Mund geweiht,
und stündlich mit den schnellen
Schwingen berühr‘ im Fluge sie die Zeit!
Dem Schicksal leihe sie die Zunge;
selbst herzlos, ohne Mitgefühl,
begleite sie mit ihrem Schwunge
des Lebens wechselvolles Spiel!
Und wie der Klang im Ohr vergehet,
der mächtig tönend ihr entschallt,
so lehre sie, dass nichts bestehet,
dass alles Irdische verhallt!
Jetzo mit der Kraft des Stranges
wiegt die Glock‘ mir aus der Gruft,
dass sie in das Reich des Klanges
steige, in die Himmelsluft!
Ziehet, ziehet, Hebt!
Sie bewegt sich, schwebt!
Freude dieser Stadt bedeute,
Friede sei ihr erst Geläute!
„Das Lied von der Glocke“
von Friedrich Schiller – die letzten Verse
So schweben sie jetzt in unserem Satzunger Kirchturm, die neuen Glocken. Lange konnten wir sie in ihrem schönen Bronzeglanz neben dem Altar aus der Nähe betrachten und fotografieren. Am 9. Mai wurden sie nach oben befördert, doch bewegen konnten wir sie noch nicht am Pfingstsonntag, wie es eigentlich geplant war. Im Glockenstuhl zeigten sich größere Schäden als zunächst angenommen, wodurch auch die Kosten etwas steigen werden und wir weiterhin für jede Spende sehr dankbar sind. Nun sollen sie auf der Höhe des Jahres, am Johannistag, dem 24. Juni, das erste Mal läuten. Dazu laden wir alle herzlich ein – zum Festgottesdienst um 10.00 Uhr in der Satzunger Kirche. Unsere Tage werden begleitet vom Glockenklang: Am Morgen, bevor das Tagwerk beginnt, werden wir eingeladen, den Kontakt zu Gott zu suchen, um mit IHM durch die Herausforderungen des Tages zu gehen. Am Mittag halten wir inne, in der Nervosität der Zeit einen Ruhepol zu finden. Am Abend beruhigt uns der Glockenklang, dass wir nun alles aus unseren Händen in Gottes Hände legen können, das Gelungene und das Versagen. Die Glocken – sie sind wie Antennen nach oben. Die Verbindung ist hergestellt. Wir brauchen uns nur „einzuschalten“.

Eine störungsfreie Urlaubszeit unter klarem Sommerhimmel wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Volkmar Freier