allein Christus

allein Christus – solus Christus

[aus: Gemeindebrief für Marienberg April und Mai 2017]

Liebe Leser,

Christ ist erstanden!
Freude dem Sterblichen,
Den die verderblichen,
Schleichenden, erblichen
Mängel unwanden.

So hört der nachdenkliche Dr. Faust den Glockenklang und Engelschor am Ostermorgen:

Welch tiefes Summen, welch heller Ton
zieht mit Gewalt das Glas von meinem Munde?
Verkündigt ihr dumpfen Glocken schon
des Osterfestes erste Feierstunde?
Ihr Chöre, singt ihr schon den tröstlichen Gesang,
der einst, um Grabes Nacht, von Engelslippen klang,
Gewissheit einem neuen Bunde?

J.W. von Goethe: Faust I, Kapitel 4

Künstlerin Anke Rudloff gestaltet Form für den Guß
Künstlerin Anke Rudloff gestaltet Form für den Guß

Noch werden in diesem Jahr unsere alten Kirchenglocken in vertrauter Weise das Osterfest einläuten, während die neuen aber schon bereit stehen, frisch gegossen in der Glockengießerei Grassmayr im österreichischen Innsbruck.
Nach dem Stadtgeburtstag beginnt die Demontage auf dem Kirchturm. Die Einholung der alten Glocken werden wir mit Spannung verfolgen und die Arbeiten der nächsten Monate mit großem Interesse und dankbaren Gebeten begleiten, damit unserer Stadt der gute Ton der Osterbotschaft nicht verloren geht.

Solus Christus (allein Christus) lautet einer der vier reformatorischen Grundsätze, den die größte Glocke des neuen Geläutes ziert. Wir sehen auf der Titelseite unseres Gemeindebriefes die Künstlerin Anke Rudloff, wie sie gerade mit der Gestaltung dieser Glocke die Form für den Guss vorbereitet.
Das Motiv illustriert den dazu gewählten Spruch aus dem Hebräerbrief 13, 8:

Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.

Der Blick zurück, die Gegenwart fest im Auge und der Zukunft vertrauensvoll zugewandt – so begegnet uns Christus in der Tradition, im Heute und in Ewigkeit. Darin gründet unser Glaube. Wir hören von Jesus, wir leben mit ihm. In seiner Person ist uns Gott selbst in besonderer Weise gegenwärtig.

Doch Jesu Tod, sein elendes Sterben am Kreuz schien diese Nähe Gottes in ihm in Frage zu stellen. Ein Mensch, der am Kreuz stirbt und damit einen für die Antike besonders schmachvollen Tod erleidet, der kann nicht ein Mann Gottes sein, der muss vielmehr ein von Gott im Stich Gelassener sein. Doch dann geschah etwas Unerwartetes.
Die neutestamentlichen Texte beschreiben, dass die, die Jesus nachfolgten, die Erfahrung machten: Dieser Mensch, von dem wir wissen, dass er tot ist – er lebt.
Er begegnet uns auch jetzt noch, nicht nur mit seinen Ideen von Gott oder als unsere persönliche Erinnerung. Er war tot, aber er wurde von Gott auferweckt. Und das bedeutete auch: Seine Botschaft von der besonderen Gegenwart Gottes in seiner Person war doch kein Irrtum. Allein in Christus ist Gott zu finden.

Christ ist erstanden, Aus der Verwesung Schoß.
Reißet von Banden Freudig euch los!
Tätig ihn preisenden, Liebe beweisenden,
Brüderlich speisenden, Predigend reisenden,
Wonne verheißenden Euch ist der Meister nah,
Euch ist er da!
J.W. von Goethe: Faust I, Kapitel 4

Ein stimmungsvolles, gesegnetes Ostererwachen wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Volkmar Freier

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