inmitten großer Menschenscharen

Alisa und Borislav, Anjuna und Uchenna, Rana und Yusuf, Maria und Joseph, Aron und Sahira
– sie alle sind unterwegs, inmitten großer Menschenscharen. Jede und jeder hat einen eigenen Namen und eine eigene Geschichte. Sie kommen aus Montenegro, Nigeria, dem Irak, Palästina, Syrien. Ganz verschiedene Motive sind es, die sie zum Aufbruch und Ausbruch getrieben haben. Die Angst um Leib und Leben, die Flucht vor Krieg und Terror, die Willkür von Tyrannen, die Suche nach Brot, Herberge und ein wenig Schutz, die Sehnsucht nach einem unbekannten Glück oder ganz einfach der Wille, etwas aus dem eigenen Leben zu machen. Ein millionenfach zählender Menschenstrom, der sich durch die Geschichte quält. Wir mischen uns ausnahmsweise einfach mal unter diese irdischen Heerscharen. Und unversehens finden wir uns direkt in der Weihnachtsgeschichte wieder.

Im Fokus stehen für uns freilich Maria und Joseph, die da mit all den anderen erschöpft gerade noch so eine schäbige Zuflucht für die Nacht gefunden haben. Aber ohne diese beiden hätten wir vielleicht längst vergessen, dass mit ihnen Gott selbst unterwegs ist auf Wohnungssuche. Da hat er sich mit all den heimatlosen Gestalten solidarisiert, sich auf ein schweres, fast aussichtsloses Unterfangen eingelassen. Nicht allein deswegen, weil wir Menschen lieber unter uns bleiben oder weil wir Unbequemlichkeiten fürchten oder kontaktscheu wären. Nein, die meisten von uns tragen schon ihr Herz an der richtigen Stelle. Doch manchmal scheint es leichter und plausibler zu sagen: Das geht jetzt nicht. Das wird uns zuviel. Wir sind nicht zum Helfen auf der Welt. Selbst wenn vorläufig kein anderer Raum in der Herberge ist, als diese Baracke, dieser Stall, jenes Zelt, ist das nicht zu verachten. Gott lässt sich auch darauf ein.

Wieder fragen wir uns, sind wir allein mit all diesen Herausforderungen und Ängsten? Wer hilft uns, wenn wir überfordert sind. Wie von Ferne vernehmen wir die gute Nachricht der himmlischen Heerscharen: „Fürchtet euch nicht! Euch ist heute der Heiland geboren.“ Neues Leben kommt in Eure Seelen.
Sucht Gott nicht mehr über den Wolken, sozusagen im luftleeren Raum. Er ist Euresgleichen geworden und möchte Euch anstecken mit seiner Barmherzigkeit in dieser Allerweltsgeschichte. Ein Menschenpaar, getrieben und unbehaust, ein kleines Kind notdürftig von Tieren gewärmt – da kann es nur Mitgefühl und Mitleid geben, statt Misstrauen und Verschlossenheit. Fürchtet Euch nicht! Im Gegenteil, um es mit Jesaja im Monatsspruch für Dezember zu sagen:
„Jauchzet ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen!
Denn der HERR hat Sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden.“

Eine warme, weihnachtliche Herberge und eine gesegnete Einreise ins neue Jahr wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Volkmar Freier