Jahreslosung 2013

    Bild von Yuriko AshinoWir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Hebr. 13,14

    Von einer Stadt ist gar nichts mehr zu sehen auf der Kalligrafie von Yuriko Ashino, die Ihnen auf der Titelseite dieses Gemeindebriefes vorliegt.
    Eher erinnert das Bild an eine Wetterkarte, von ganz oben fotografiert. Ein Wirbelsturm kündigt sich an. Ein Hurrikan, ein Tsunami? Es braut sich einiges über unseren Köpfen zusammen, so macht es den Eindruck. Angst liegt in der Luft. Wir sehen aufgeregte Farben und Formen, die uns regelrecht schwindelig werden lassen.

    Ist das die „Wettervorhersage“ für die nächsten Monate, verschlüsselt in der Darstellung unserer Jahreslosung für dieses neue Jahr 2013: „Wir haben hier keine bleibende Stadt …“? Das konnten wir ja schon vorher in der Tagesschau sehen: Kaputte Städte, kaputte Gesellschaften, kaputte Menschen in vielen Teilen der Welt – und meistens hatte das gar nichts mit Wind und Regen zu tun, sondern eher mit der politischen Großwetterlage.

    Also bleiben wir bei unserer künstlerisch gestalteten „Wetterkarte“: Am Schnittpunkt zwischen dem HIER und dem Bevorstehenden, da wo es richtig eng wird, steht das kleine Wörtchen „sondern“, man könnte es auch mit „aber“ übersetzen, eine der wichtigsten Vokabeln unseres Glaubens. Als Widerspruch zur Gegenwart, zum Heute und Jetzt. Als Widerspruch gegen Katastrophen und Schicksalsschläge, gegen Kummer und Leid. All das gibt es in unserer Stadt, aber all das hat keine Bleibeberechtigung – wir suchen, wir glauben, wir hoffen, wir gestalten gerade auch als Christen das Zukünftige mit.

    Das „Wir“ ist dabei ganz wichtig, wie es doch diesen Vers der Jahreslosung einrahmt als erstes und als letztes Wort. Nicht Einzelkämpfer werden angesprochen, sondern die Gemeinschaft, die Gesellschaft der Neugierigen; diejenigen, die weiterdenken, weiterhoffen, die das „Sondern“ und das „Aber“ in ihren Glauben und Denken verinnerlicht haben. Leute, die es schon zu Zeiten des Hebräerbriefes gab, als Christen im damaligen Römischen Reich reihenweise aus der Bahn geworfen wurden.

    Doch ein „Wetterleuchten“ kündigt sich an beim Übergang von der in Blutrot getünchten Gegenwart in das himmlische Hellblau der zukünftigen Stadt mit den Strähnen des hoffnungsfrohen Grüns und lichtstrahlenden Gelbs. Nicht aus dem „Haben“ speist sich unsere Zukunft, sondern aus dem „Suchen“. Und – schauen Sie genau hin: Wo es richtig eng wird – da ist (um im Bilde zu bleiben) der Goldene Schnitt.

    Mit herzlichen Segenswünschen für das Jahr 2013 grüßt Sie
    Ihr Pfarrer Volkmar Freier