Kornernte

    Liebe Gemeinde!

    Der schlesische Maler Carl Kayser-Eichberg schuf das Bild „Kornernte“. Alltagssituation und Landschaft Schlesiens werden in diesem Bild vereint. Auf den ersten Blick eine Idylle: reifes Korn, ein kräftiger Schnitter, die Garbenbinderin im Hintergrund, die Szene strahlt Wärme und Glück aus. Aber die Arbeit auf dem Feld bei Wind und Wetter war kräftezehrend und schweißtreibend.
    Trotzdem wollten Bauer und Land- arbeiter nicht mit dem Arbeiter in der Stadt tauschen.
    Die Menschen früherer Genera- tionen mussten um den Segen ihrer Arbeit manch

    mal fürchten, wenn das Gewitter, die Mühe eines Erntejahres zunichte machte, oder die eigene Kraft nicht mehr ausreichte , um die Sense so schwungvoll durch die Halme zu ziehen.
    Wenn sie abends das Vater unser beteten und sagten: „Unser tägliches Brot gib uns heute“, dann war das noch eine schwerge- wichtige Bitte.

    Martin Luther erklärt im Katechismus diese Bitte aus dem Vater unser so:
    „Gott gibt das täglich Brot auch ohne unsere Bitte allen bösen Menschen;
    aber wir bitten in diesem Gebet, dass er’s uns erkennen lasse
    und wir mit Danksagung empfangen unser tägliches Brot.“Außerdem deutet er das tägliche Brot: „Alles, was not tut für Leib und Leben,
    wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut,
    fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.“

    Das Erntedankfest ist ein Anlass, uns zu erinnern. Wir verdanken unser Leben – so widersprüchlich und unvollendet es sein mag – nicht allein uns selbst. Die Früchte unserer Arbeit lasst uns genießen, aber auch Gott für den Segen danken!

    Ihr Pfarrer Frank Hadlich-Theml