Kurrende

    da laufen sie und singen sich manchmal die Stimmbänder heiser – zur Ehre Gottes und um ein kleines Almosen, damit sie das bald fällige Schulgeld bezahlen können.
    Da laufen sie und singen nicht nur geistliche Lieder. Gern sind sie gesehen
    auf Hochzeiten und Festen mit ihren feinen Kinderstimmen verbreiten sie gute Laune.
    Anschließend kratzen sie zusammen, was sie erbettelt haben und manchmal gibts auch handfesten Streit, wenn die älteren Kurrendaner sich einen größeren Anteil nehmen. Das Geld oder die Naturalien brauchen sie alle dringend.
    Ich schreibe natürlich nicht von den Kurrendanern unserer Tage, das versteht sich.
    Aber in der Zeit, in der auch Martin Luther in Eisenach an den Türen der Familien Cotta und Schalle klopfte und geistliche wie weltliche Lieder vortrug, war die Not in vielen Familien groß und jeder Zuverdienst auch von den Kindern höchst willkommen.
    Die Zeiten sind zum Glück vorbei, dennoch müssen wir uns zunehmend mit Armut und sozialen Mißständen auch in unserem Land auseinandersetzen.

    Das Titelbild  zeigt die Kurrende von Satzung, wie sie den Osterhymnus, den Lobpreis über die Auferstehung Jesu Christi singt.
    Hier im Erzgebirge hat sich die jahrhundertealte Tradition der sogenannten “Laufkinder” gehalten. Gerade in der Adventszeit sind unsere Kurrendaner zu alten und kranken Menschen unterwegs und öffnen die Herzen ihrer Zuhörer mit ihren weihnachtlichen Weisen. Auch unsere Gottesdienste gestalten sie liturgisch mit und erfreuen uns mit ihrem hellen Gesang.
    An dieser Stelle sei allen Kurrendanern, die sich mit ihren Gaben und ihrer Freizeit in unseren Kirchgemeinden einbringen ein herzliches Dankeschön gesagt.
    Euer Singen mehrt das Lob Gottes unter den Menschen und dient “zur Erhebung des Gemüt’s” (Johann Sebastian Bach).

    Es grüßt
    Pfarrer Frank Hadlich-Theml

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