Mit Tannengrün und Räucherduft …

Liebe Leser unserer Gemeindenachrichten im Dezember 2018,

Weihnachten – noch einmal so, wie es sich zu einer einzigartigen Erinnerung verdichtet hat:
Mit Tannengrün und Räucherduft; mit Nüssen, Apfelsinen, Schokoladenfiguren und einem Pfefferkuchenherz. Der Christbaum hatte den Fernsehapparat kommentarlos von seiner Eckbank verdrängt. Die Ungeduld der Kinder spiegelte sich in den noch flackernden Kerzenflammen wider. Um die Gebrauchsanweisung des neuen Modellbausatzes zu lesen, durfte ausnahmsweise nur kurz das elektrische Licht angeknipst werden.

Draußen klirrte es unter der weißen Decke. Drinnen knackte es im Ofen. Das Geschenkpapier wurde ordentlich zusammengelegt und sorgsam für das nächste Fest verwahrt. Die Schleifenbänder verschwanden in dem alten Schuhkarton. Wenn dann unter all den Schachteln und Kleinkram die Tischplatte endlich wieder zum Vorschein kam, konnte noch etwas gespielt werden. An diesem Abend wurde nicht gedrängelt – weder mit dem Fernsehen, noch mit dem Zubettgehen. Man übte sich in Rücksicht und Stille. Vielleicht machte ja noch irgendjemand eine Schachtel Pralinen auf, die gerade überreicht worden war.

Doch was war das alles gegen die feierliche Atmosphäre in der Kirche.
Alle saßen wir dicht beieinander, alle schienen wie ausgewechselt. Offensichtlich meinte niemand, etwas Besseres vorzuhaben. Und dass Kinder immerzu beschäftigt werden müssen – irgendwie hatten das die Leute auch vergessen. Die Lieder rieselten aus dem Himmel, die Worte fügten sich zu einem Gemälde der Alten Meister. Die Krippenspieler waren samt ihrer Kostüme gerade aus der Kinderbibel ausgeschnitten worden, die den ganzen Sommer über auf dem Kirchenboden unter einer Staubschicht gelagert war.

Dann stapften wir nach Hause am Friedhof vorbei, der heute sogar in der Dunkelheit keine Furcht einflößen konnte. Durch den tiefverschneiten Ort ging es an den kerzengerade stehenden Rauchsäulen aus den Schornsteinen vorbei. Nichts war wie sonst. Die Landschaft – ein Weihnachtsberg. Der Himmel – sternenklar. Und selbst von den maroden Straßenlaternen war keine einzige Lampe ausgefallen. Ein wunderbarer Lichterglanz hüllte alle Halbfertigkeiten in perfektes Weis.

Die Kälte machte das Leben mit jedem Atemzug sichtbar. In der Nase dieses angenehme Gefühl von gesundem Vereisen – es war ein Genuss. Unter den Füßen knirschte es wie Würfelzucker. Das Herz hatte Ausgang. Was für eine Aussicht auf das, was noch kommen sollte.

Noch lange hielten sich die Eindrücke der Christvesper aus der Kirche lebendig in Erinnerung. Es tut gut, sie immer wieder aufzufrischen. In jedem Lebensalter kann man sich ganz neu hineinversetzen, wie das Titelbild zeigt. Niemand wird nach diesen Abenden jemals wieder daran zu zweifeln wagen, dass Gott uns allen ziemlich gut ist.

Ein gesegnetes Christfest und gute Wünsche für das neue Jahr,
Ihr Pfarrer Volkmar Freier