Ostergedanken

    Liebe Gemeinde!

    Noch ist der Vorhang geschlossen. Voller Spannung erwarten wir die Inszenierung eines Lebens, das wir so noch nicht gesehen haben, das wir so noch nicht kennen.
    Noch ist es ziemlich finster um uns herum. Unsere Augen haben sich zwar ein wenig an die Dunkelheit gewöhnt. Konturen können wir wahrnehmen mit ein wenig Anstrengung:
    Ein menschliches Angesicht mit einer Dornenkrone
    – kaum zu ertragendes Leid.
    Ein schwarzes Kreuz scheint wie ein Riegel diesen undurchdringlichen Schleier zusammenzuhalten.
    Noch sind wir mit uns selbst beschäftigt. Machen es uns bequem auf den bezahlten Plätzen. Richten die Garderobe, naschen etwas Ungesundes. Langweilen uns mit uns selbst und mustern unsere Nachbarn in der Düsternis.
    Noch können wir nicht daran glauben, dass uns in wenigen Augenblicken das pralle Leben entgegen geschleudert wird.
    Sind wir vielleicht doch im falschen Film gelandet? War der Preis für die Eintrittskarte überhaupt gerechtfertigt?
    Noch sind unsere Gedanken in unserem Alltag geparkt. Als gäbe es nichts anderes als unsere Sorgen und Ängste. Die Sache, um die es eigentlich geht, ist noch verhüllt.
    Wir haben keine Ahnung, was uns erwartet, aber wir glauben daran.
    Noch ist der Vorhang geschlossen.
    Allerdings: So ganz verbergen lässt  es sich nun auch wieder nicht; dahinter ist längst etwas vorbereitet, das unsere kühnsten Erwartungen bei weitem übersteigen wird:   Die Inszenierung eines neuen Lebens.
    „Da riss der Vorhang des Tempels von oben bis unten entzwei“, heißt es in drei der vier Evangelien nach dem Todesschrei Jesu. Der Blick wird frei in eine andere Welt.
    Offene Augen und Herzen in dieser Osterzeit wünscht Ihnen
    Ihr Pfarrer Volkmar Freier
    (Und das noch:
    In den meisten Opern- und Schauspielhäusern ist die Bühne weitaus größer als der Zuschauerraum. Kaum zu glauben, aber wahr. Nur ein dünner Vorhang trennt uns noch von diesem grandiosen Weitblick.)

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