Passion 2015

    Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen.
    Sehet – Wen? – den Bräutigam,
    Sehet ihn – Wie? – als ein Lamm!
    O Lamm Gottes, unschuldig
    Am Stamm des Kreuzes geschlachtet.
    Sehet – Was? – seht die Geduld.

    Liebe Gemeinde!
    Vielleicht haben Sie die Melodie dieses Eingangschorals der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach noch in den Ohren oder im Kopf. Wir konnten sie ja voriges Jahr in unserer Kirche hören. Es geht einem einfach unter die Haut, den Leidensweg Jesu nicht nur sprachlich zur Kenntnis zu nehmen, sondern musikalisch mitzuempfinden. Bach hat vertont, was wir kaum in Worte zu fassen vermögen: Den Trost im Leid, die Zuversicht in Ausweglosigkeit.
    Die Aussicht auf Leben, wenngleich einem der Tod im Wege steht. Sanft und zärtlich gehen uns seine Melodien mit dieser guten Nachricht zu Herzen. Zukunftsmusik für unsere Seelen. Auch ein Grund, dass er als Komponist mitunter als fünfter Evangelist bezeichnet wird. Er hat uns nicht nur etwas zu erzählen, er kann uns neues Leben einhauchen mit dem guten Ton des tiefgefühlten Mitleids.
    Viele Musiker und ein großer Chor, der sich da versammelt hat, vor dem Altar unserer St.-Marien-Kirche, wie Sie auf dem Bild sehen können. Alle vertieft in ihren Partituren, so dass sich auch der Glaube vertiefen kann.
    Dabei sind es genaugenommen zwei Orchester und zwei Chöre, die nicht gegeneinander, sondern nebeneinander angetreten sind. Womöglich wollte Bach die Musiker und Sänger nicht nur zum Darstellen, sondern auch zum Zuhören ermutigen. Denn nur im Dialog kann man richtig klagen, im Dialog einander trösten. Nur im Dialog wächst unser Glaube.

    Eine gesegnete Osterzeit mit offenen Ohren und besonnenen Antworten wünscht
    Ihr
    Pfarrer Volkmar Freier

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