Waisenhaus- samt Carolinenstiftung

Die Waisenhaus- samt Carolinenstiftung und ihr Stifter

Die Jahre 1771/72 waren harte Hungerjahre für Marienberg und das gesamte Erzgebirge. Viele Menschen starben an Hunger und an ansteckenden Krankheiten. Oft blieben elternlose Kinder übrig. Diese Schicksale veranlaßten den Pfarrer Johann Ehrenfried Wagner, sich dieser verwaisten Kinder anzunehmen. Über den Beginn der Waisenhaus-Arbeit im Jahre 1771 gibt es unterschiedliche Darstellungen.

Im Regulativ der Waisenhausstiftung lesen wir, daß Johann Ehrenfried Wagner ein “auf einem dasigen Bergfelde aufgefundenes verlorenes Kind” mit nach Hause gebracht hat.

Rudolf Drechsel, Katechet zu Marienberg, beschreibt den Beginn so:
“Im Herbst 1771 gibt Johann Ehrenfried Wagner einer sterbenden Bergmannswitwe im Hinteren Grund, das ist das Land am Katzenstein, das Abendmahl. Die Frau stirbt in seinen Händen. Ihr zweijähriges Kind bringt Wagner seiner Frau mit heim.”  Es liegt in dem Wesen dieses bescheidenen Mannes und in der Natur der Sache, daß es über den Beginn eines großen Werkes, das schlicht und ohne viel Aufhebens begann, Johann Ehrenfried Wagnerkeine großartige Gründungsurkunde gibt. Zutreffend ist aus beiden Darstellungen, daß sich Johann Ehrenfried Wagner der Not der Kinder, die er bei seinen Hausbesuchen wahrnahm, sofort angenommen hat. Er rief all seine Freunde in Leipzig, Dresden, Zwickau und in vielen anderen Orten zur Unterstützung seines Vorhabens auf. Er tat es, indem er sie an das Wort Jesu erinnerte:
“Jesus Christus spricht: Wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.”

Dieser Spendenaufruf hatte einen so großen Erfolg, daß Johann Ehrenfried Wagner am 17. September 1772 bereits mit 30 elternlosen, armen, verlassenen Kindern in ein ordentliches, ansehnliches Haus auf der Freiberger Straße einziehen konnte.

Johann Ehrenfried Wagner
–  am 3. Mai 1724 geboren  –  am 1. März 1807 verstorben.

Sein Wesen und seinen Charakter beschreibt sein Freund und Amtsbruder Pfarrer Bonitz aus Lengefeld so: “Eine gewisse natürliche Gutmütigkeit und Menschenfreundlichkeit, strenge Rechtschaffenheit und pünktlicher Pflichteifer, verbunden mit einer edlen Uneigennützigkeit und biederen Offenherzigkeit, machen ungefähr die hervorstechendsten Züge in dem Bilde dieses achtungswerten Menschen aus.”

Sein Name birgt in sich die Verpflichtung, in seinem Sinne weiterzuwirken. So beschreibt es bereits sein Sohn Christian Ehrenfried Wilhelm Wagner: “Der würdigste von den Nachkommen des alten Wagner trete einst in seine Fußtapfen, der aber, der ihm nicht ähnlich zu werden sucht, nenne sich nicht nach seinem Namen, betrete nie ein Institut, das ein Rechtschaffener stiftete.”

Im Jahre 1806 schenkte Frau Caroline Louise verw. Carl, geb. Küstner aus Leipzig im Andenken an ihre am 17. Mai 1806 kinderlos verstorbene einzige Tochter Caroline Henriette geschiedene Weidenbach, geb. Carl  4000 Taler. Das ist der Beginn der Carolinenstiftung. Später wurde die Waisenhaus- mit der Carolinenstiftung vereinigt.

Die Söhne und Enkel von Pfarrer Wagner setzten die Arbeit fort. Ein zweites, das jetzige Waisenhaus wurde gebaut. So wurde die Arbeit im Sinne des Stifters weitergeführt.

Bis zum Jahre 1954 lebten im Waisenhaus am Goethering elternlose Kinder. Vom   Jahre 1954 an betrieb die Innere Mission darin ein Altersheim. Im Jahre 1955 gab es durch die Entscheidung vom Rat des Bezirkes zunächst einen Abbruch der Tätigkeit der Waisenhausstiftung. Das Altersheim wurde im Jahre 1957 geschlossen.

Das Waisenhaus wurde Kindergarten und Internat im Eigentum der Stadt Marienberg.

Erst nach der politischen Wende konnte die Stiftung wieder errichtet werden.
Seit 1993 unterstützt die Stiftung die Jugendsozialarbeit in der Stadt Marienberg.

[Beitrag: Pfr. i.R. Wenzel]

Am 25. September 2009 wurde mit der Restaurierung des Gebäudes begonnen,
am 1. August 2011 war die Raumübergabe an die Mieter (z.B. AWO, Diakonie).
Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde das Waisenhaus  am 4. September 2011 eingeweiht.

Jetziger Vorsitzender der Waisenhausstiftung ist Pfr. Volkmar Freier.

zum Seitenanfang