Weihnacht 2013

Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. (Micha 5,1)

Bethlehem, du bist klein. Unbedeutend vielleicht für diejenigen, die immer nach dem Großen schauen. Klein bist du unter den Städten in Judäa. Aber gerade zu dir muss einer kommen, der Gottes Art kennen lernen will! So sagt es Martin Luther: “Willst du Gott in seinem Wesen recht erkennen lernen, so musst du unten anfangen, wie der Prophet tut, dass du am ersten gen Bethlehem kommst.”

Gott beginnt seine heilsame Geschichte unten, beim Geringen, beim Kleinen. Bethlehem, wir kommen zu dir. Wir wollen sehen, was Gott getan hat in deinen Mauern. Wir gehen zurück in deine Geschichte:

Über 3000 Jahre ist es her, da nahen sich zwei Frauen, eine alte und eine junge. Die alte Frau heißt Naomi. Sie stammt von hier. Vor vielen Jahren war sie wegen einer großen Hungersnot zusammen mit ihrem Mann und den beiden Söhnen ins Ausland gegangen, ins Land der Moabiter. Dort erlebte sie großes Leid. Sie verlor ihren Ehemann und auch ihre beiden Söhne. Von den zwei Schwiegertöchtern begleitete sie die eine mit dem Namen Ruth in ihre alte Heimat. Nun sollte Ruth, der Moabiterin, das Schicksal bevorstehen, in Bethlehem als Fremde zu wohnen. Was wird geschehen?

Siehe da, es geschieht in Bethlehem – es geschieht gegen das Gesetz und gegen die Macht der Gewohnheit – es geschieht durch Gottes Geist, dass die Ausländerin Zuflucht findet bei Israels Gott. Und mehr noch: Ruth heiratet einen Bürger von Bethlehem, wird Mutter eines Sohnes. Urgroßmutter des König David von Israel. Bethlehem, du bist klein, aber in deinen Mauern kann die Ausländerin sicher wohnen. In deinen Mauern findet sie Frieden. Großes tut Gott im Kleinen.

Auch ein paar Jahre später hat sich daran nichts geändert. Da wandert ein Prophet nach Bethlehem. Samuel ist sein Name. Heimlich kommt er, auf Schleichwegen. Der König Saul darf von diesem Besuch nichts wissen. Denn er ist krank an seiner Seele, von Schwermut niedergedrückt, von Wutanfällen geschüttelt. Samuel kommt im Auftrag Gottes in dieses kleine Bethlehem, in das Haus des Isai. Unter seinen Söhnen hat sich Gott einen König ausersehen. Samuel weiß nicht, welcher von ihnen gemeint ist. Sein Blick fiel zuerst auf die älteren, die starken und großen der Familie. Aber sein Blick hatte ihn getäuscht. Gott hatte an den Jüngsten gedacht, den kleinsten. Es war David. Der hütete gerade die Schafe. Beinahe hätte man ihn übersehen.

Und wieder kommen zwei Menschen nach Bethlehem gezogen, ein Mann und eine schwangere Frau. Kein Raum für sie – die bekannte Geschichte. Schließlich landen sie im Stall, Notunterkunft für eine Nacht. Doch gerade da wurde der kleine Sohn geboren – unter den primitivsten Bedingungen, die man sich nur denken kann. Sie legten das Kind in eine Krippe. Wie interessant: das Größte tut Gott bei den Kleinsten.

So zeigen es uns die „Kleinen“ am Heiligabend in Satzung – wie wir es auf dem Titelbild sehen können. Die kleinere Kirchgemeinde ist für die größere eine Bereicherung.

Viele kleine und große Freuden in der Advents- und Weihnachtzeit wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Volkmar Freier

PS: Die Entfernung zwischen Marienberg und Satzung entspricht etwa der zwischen Bethlehem und Jerusalem – nur rein geographisch.