Weihnachtsbrief zur Jahreslosung 2020

Ich glaube;
hilf meinem Unglauben!“

Markus 9,24

 

Liebe Schwestern und Brüder,

mit dieser Jahreslosung werden wir ins neue Jahr gehen und ich gestehe, als ich sie zum ersten Mal las, da hätte ich mir durchaus ein ermutigenderes Wort gewünscht. So zum Beispiel die Worte, die der Jahreslosung vorausgehen, wenn Jesus zu dem Vater des besessenen Jungen sagt: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“. Das ist doch mal eine Ansage!

Freilich, nach meinem eigenen Erleben in diesem Jahr mit wirklichen Einschlägen von Tod und Krankheit verstehe ich diesen Vater gut in seiner tiefen Erschütterung angesichts der Leiden seines Sohnes. Ich verstehe seine Sehnsucht nach Heilung und einem wirklichen Ausweg, aber eben auch die Hilflosigkeit, die einem befällt, wenn man mittendrin in diesem Elend steckt. Da fallen dir keine vollmundigen Glaubensaussagen mehr ein, sondern bestenfalls das Flehen aus einem „Senfkornglauben“ heraus.

Gerade dann aber wird Weihnachten. Denn, was ist denn Weihnachten, die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem, anderes gewesen, als ein Senfkorn? Mitten hinein in eine Welt, die genauso aus den Fugen war, wie die unsere, wird ein Kind geboren. Gott steigt in Jesus ab in unser Unten. So ist die Geburt in einem Stall eben kein Zufall, sondern Programm. Ein Programm, das unseren „Unglauben“ ernst nimmt. Gott nimmt es ernst, dass es oft nicht das Evangelium, die frohe Botschaft ist, die uns leitet, sondern dass es die schlimmen, manchmal gar schrecklichen Nachrichten sind, die uns runterziehen. Und dorthin, wo Unglaube herrscht, der vor allem ein Fehlen von Vertrauen und Hoffnung ist, sendet Gott seinen Sohn.

Und ich kann uns da im Grunde nur wünschen, dass jede und jeder die flehentliche Bitte des Vaters in unserem Bibelwort nachsprechen kann. „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“. Ja, dass wir erfahren, was uns die Weihnachtsgeschichte von den Hirten berichtet: „Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kind gesagt war.“ Lk. 2,17.

Und heute können wir das noch genauso sehen. Rechnen wir doch wieder mit der Gegenwart Christi und seiner Fürsorge. Ja, nehmen wir es an, dass seine Kraft in den Schwachen mächtig ist. So können wir uns, unsere Familie und unsere Gemeinden dem Herrn anbefehlen und wir werden es erleben: Er führt uns wohl! 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit. Im neuen Jahr möge Sie Gottes Segen begleiten und leiten.

In herzlicher Verbundenheit grüße ich Sie, Ihr
Superintendent R. Findeisen

 Bild: Hirtengruppe mit Schafen – Günter Reichel, Pobershau