Die Spuren des Glaubens

    Liebe Leserinnen und Leser unseres Gemeindebriefes! April/ Mai 2021

    Noch bevor der Grundherr des neuen Bergbaugebietes um das Dorf Wüstenschletta Herzog Heinrich der Fromme am Sonnabend nach Jubilate 1521 verfügt hatte, hier eine Bergstadt bauen zu lassen, gab es schon eine hölzerne Kapelle, in der sich Bergleute und erste Siedler zu Gottesdiensten versammelten. Einer Urkunde aus dem Jahre 1530 kann man entnehmen, dass sie „den heiligen Märtyrern Fabian und Sebastian“ geweiht war. Aus diesem Gotteshaus stammt der kleine spätgotische Flügelaltar mit der Anna-Selbdritt-Figurengruppe, den man in unser St.-Marien-Kirche rechts im Altarraum sehen kann. Auf den Flügeln ist die heilige Barbara und eine weitere Heilige, wahrscheinlich (das Attribut ist leider verlorengegangen) die heilige Katharina dargestellt.

    Obwohl die Bibel über die Großmutter Jesu nichts zu berichten weiß, spielt Anna in der Heiligenverehrung des Mittelalters eine große Rolle, die ihre Tochter Maria (die Mutter Jesu) auch unbefleckt, also ohne Erbsünde, empfangen haben soll. Etwa 150 Jahre nach Christi Geburt entstand eine Schrift, die heute als „Protoevangelium des Jakobus“ bekannt ist. Sie widmet sich der Herkunft Mariens und ihrer Geschichte; und enthält eine Legende zur Großmutter Jesu, der Heiligen Anna. Weil die Zahl drei als göttliche Zahl ebenfalls von großer Bedeutung ist, entstanden der Bildtyp der Anna selbdritt als beliebtes Andachtsmotiv: Großmutter, Mutter und Kind. 

    Genau diese Darstellung über zwei Bergleuten mit gekreuzten Schlägeln ziert das Stadtwappen von Annaberg. Denn dass man keiner anderen als der heiligen Anna den reichen „Bergsegen“ dort zu verdanken hatte, war für die frommen Bergleute unbedingt naheliegend. In der 1519 geweihten St. Annen-Kirche in Annaberg soll bis heute eine wichtige Reliquie der heiligen Anna aufbewahrt sein, ein Finger.

     „Hilf, heilige Anna, ich will Mönch werden.“ – soll Martin Luther, der aus einer Bergmannsfamilie stammte, Anfang Juli 1505 gerufen haben, als er bei Stotternheim in ein Gewitter geriet. Zwei Wochen später trat er in das Augustinerkloster zu Erfurt ein. Die heilige Anna verehrte man als „Erzmacherin“, wurde als „Mutterschoß“ des Erzes angesehen. Was lag näher als in mittelbarer Nachbarschaft zu Annaberg die neue Stadtgründung mit Maria in Verbindung zu bringen? Konnte man doch Gleiches von der Tochter erwarten, die 1523 mit der Verleihung des Stadtrechtes mit ihrem Namen den Ort schmücken sollte. In dem kleinen Holzaltar, der noch aus der Zeit vor der Stadtgründung stammt, spiegelt sich sehr schön diese Verbindung untereinander und im Glauben an den, der nicht nur den Bergbau, sondern das ganze Leben segnet: Jesus Christus.

    Die Spuren des Glaubens an ihn sind älter als die 500-jährige Geschichte unserer Stadt; und sie sollen weit darüber hinausreichen. Wir freuen uns darüber, dass wir den denkwürdigen Gründungstag am 27. April, um 19.00 Uhr mit einem Berggottesdienst feiern können. Auch im Festgottesdienst am darauffolgenden Sonntag, zu dem wir unseren Landesbischof Tobias Bilz erwarten, wollen wir uns in Dankbarkeit an unsere Geschichte erinnern und den Segen für die Zukunft unserer Stadt erbitten. Für beide Gottesdienste ist eine telefonische Anmeldung in der Pfarramtskanzlei dienlich, da wir coronabedingt nur für eine begrenzte Besucherzahl in unserer Kirche Plätze zur Verfügung stellen können. Beide Gottesdienste werden aber auch über das Mittel-Erzgebirgs-Fernsehn live übertragen.

    In dieser österlichen Zeit wünsche ich Ihnen allen die Zuversicht, die durch Christi Auferstehung über allen Enttäuschungen und Unzufriedenheiten triumphiert.

    Herzliche Grüße, Ihr Pfarrer Volkmar Freier