Liebe Gemeinde (Juni/Juli 2021)

    Liebe Gemeinde,

    mit großer Freude haben wir als Familie vor einem guten halben Jahr die Nachricht aufgenommen, dass wir ab dem 1.7.2021 in ihre Gemeinde entsandt werden. Wir, das sind meine Frau Julia, unsere Söhne Jonathan und Samuel und ich, Friedemann Liebscher. Mit der Entsendung in die Pfarrstelle geht für mich eine lange Ausbildungs- und Studienzeit zu Ende und kommt an ihr Ziel.
    An solchen Punkten im Leben, an denen Altes zu Ende geht und Neues anfängt zu beginnen, lohnt es sich zurückzuschauen und dem nachzudenken, wo Gott uns geführt und geleitet hat. Ich möchte Sie auf diesen Weg mitnehmen und mich Ihnen dadurch etwas vorstellen.
    Ich will dies tun, indem ich mein Leben mit Bibelworten ins Gespräch bringe, die mir zugesprochen wurden, mich begleitet und getragen haben.
    „Lobe den Herrn, meine Seele und was in mir ist seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht was er dir Gutes getan hat.“ (Ps 103, 1-2)

    Diese Verse, die meine Eltern mir als Taufspruch mit auf den Weg gegeben haben, beschreiben für mich die Gefühle, die ich im Rückblick auf meine Kindheit habe.
    Geboren wurde ich in Annaberg- Buchholz, als drittes von vier Kindern. In unserer Familie (meine Eltern, meine Schwester und meine beiden Brüder) war klar, dass Jesus im Mittelpunkt steht. Gottesdienst, Kinder-Mutti-Runde, Christenlehre, Posaunenchor und dann Konfiunterricht – das alles war selbstverständlich, es gehörte einfach dazu. Genauso wie die Losung am Morgen und die Andacht am Abend. So wuchs ich ganz natürlich in den Glauben hinein, lernte beten und die biblischen Geschichten.
    Ich bin noch heute dankbar für diesen reichen Schatz, den meine Eltern mir so mit auf den Weg gegeben haben.
    Mit dem Älterwerden wächst auch die Verantwortung, die man für seinen eigenen Glauben übernimmt. Bei mir führte dies dazu, dass ich nach meiner Konfirmation lange Zeit danach suchte, wie ich nun eigenverantwortlich Glauben leben konnte. Dabei mangelte es mir nicht an Wissen, das Problem lag nicht in meinem Kopf, sondern vielmehr in meinem Herzen. Neben dem Glauben an Jesus war Anderes getreten, das mein Leben bestimmte. Fußball, Computerspiele und meine Freunde in der Schule, sie alle nahmen Raum ein in meinem Leben und besonders in meinem Herzen. Dies wurde mir deutlich auf einer Rüstzeit, auf der ich an einem Segnungsabend den Vers aus Psalm 73 zugelost bekam: „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.“ (Ps 73,25)
    So wie der Psalmbeter konnte ich nicht beten, es gab vieles was mir wichtiger war als Jesus. Und doch ließ dieser Vers die Sehnsucht in mir groß werden, genau dieses Gebet beten zu können. Gott zu haben, bei ihm zu sein und dadurch frei zu sein. So bat ich Jesus darum, mir diese Gewissheit zu schenken, dass er allein genügt und ich mich nicht abhängig machen muss von anderen Dingen. Diese Gewissheit wuchs dann in der Folge durch verschiedene Schritte und Wege, die ich mit Gott und er mit mir ging.
    Besonders entscheidend waren dabei für mich einerseits die Erfahrung der Beichte und andererseits die Gemeinschaft mit Geschwistern die mich unterstützen im Alltag mit Jesus zu leben und ihn an die erste Stelle zu stellen.

    Nach meinem Abitur leistete ich meinem Zivildienst im Julius-Schniewindhaus, einem geistlichen Rüstzeitheim in Schönebeck. Während dieser Zeit wuchs in mir der Wunsch Pfarrer zu werden. Durch verschiedene Ereignisse, Brüder und Schwestern, die diese Berufung in meinem Leben sahen und mich darauf ansprachen und verschieden Bibelworte durch die Gott zu mir redete, bestärkten mich in dieser Berufung zum Pfarramt.
    Eins dieser Worte war mein Konfirmationsspruch aus dem 119.Psalm: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“ (Ps 119,105)

    Im Studium selber wurde der Theokreis, eine Eigeninitiative von Theologiestudenten, für mich ein Ort an dem ich immer wieder erleben konnte, wie Gottes Wort zum Licht in meinem Leben wurde. In der Gemeinschaft mit Kommilitonen versuchten wir immer wieder neu unseren Glauben und die wissenschaftlichen Erkenntnisse fruchtbar zusammenzubringen. Da es sich dabei um ein geistliches Geschehen handelt, standen für uns das gemeinsame Hören auf die Bibel als Gottes Wort und das Suchen Gottes im Gebet im Zentrum. Sehr hilfreich in dieser Zeit war für mich eine Weggemeinschaft, die ich mit zwei Kommilitonen hatte. Während des Studium heiratete ich auch meine Frau Julia, die ich während meines Zivildienstes kennengelernt und die sich auch im Theokreis als Lehramtsstudentin engagierte.

    Da ich durch die Arbeit des Theokreises selber so profitierte, arbeitete ich nach meinem Studium noch anderthalb Jahre hauptamtlich im Theokreis Leipzig als Studienassistent, während dieser Zeit wurde unserer erster Sohn Jonathan geboren.
    Danach schloss sich mein Vikariat an, in dem ich die letzten zweieinhalb Jahre in der Peterskirchgemeinde in Leipzig Dienst tun konnte. Am Ende des Vikariats wurde dann unser zweiter Sohn Samuel geboren. Wir freuen uns sehr darauf Sie alle kennenzulernen und mit Ihnen gemeinsam Gemeinde Gottes bauen zu können.

    Es grüßt Sie Friedemann Liebscher
    mit Julia, Jonathan und Samuel