*Liebe Leserinnen und Leser unseres Gemeindebriefes!

„Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ Lukas 2,14

Advent und Weihnachten sind Zeiten des Singens. „Macht hoch die Tür“, „Stille Nacht“ oder „O du fröhliche“: Die Advents- und Weihnachtslieder sie gehören einfach dazu. Ohne sie will es in uns gar nicht so richtig Weihnachten werden. Schmerzlich haben wir das in den letzten beiden Jahren erlebt. Umso mehr freue ich mich dieses Jahr, dass wir wieder gemeinsam mit voller Stimme singen können. Schon in der Weihnachtsgeschichte wird gesungen: Die Engel auf dem Feld stimmen einen Lobpreis auf Gottes Herrlichkeit und sein Tun an: „Ehre sei Gott in der Höhe!“ Die Hirten dürfen für einen Moment ihrem himmlischen Gesang zuhören und werden dadurch in Bewegung gesetzt. Sie laufen und eilen zur Krippe und finden dort das Kind, das den Frieden bringen soll.

Unser Altarbild in der Marienkirche nimmt diese Szenen auf: Die Hirten knien staunend vor dem Christkind und über diesem hält der Engel eine Schriftrolle. Auf dieser steht in hebräischen Buchstaben ein Ausschnitt aus dem Lobpreis der Engel: „…auf Erden Frieden…“ Wobei das Wort Frieden, hebräisch Schalom, genau über Jesus geschrieben steht. Er ist der Friede.

Nach Frieden sehnen auch wir uns in dieser Zeit. Der Krieg in der Ukraine hat uns aufs Neue gezeigt, wie zerbrechlich der Friede auf dieser Welt ist, auch hier bei uns in Europa. Forderungen nach Waffenlieferungen, Berichte über Eroberungen und Niederlagen, Landkarten mit Frontverläufen füllen die Nachrichten. Von Kriegsverbrechen und anderen Grausamkeiten wird berichtet. Was soll da der Gesang der Engel ausrichten, was ein Baby, ein kleiner schwacher Mensch gegen die Logik des Krieges und die Macht der Gewaltigen? Klingt es nicht hohl, müsste uns nicht das Lied im Hals stecken bleiben, wenn wir im Angesicht des Krieges von einer fröhlichen Weihnachtszeit singen?

Jesus ist unser Frieden, weil in ihm Gott dem Krieg und allem Übel an die Wurzel geht und die Welt damit verändert. Das Böse ist nichts was nur außerhalb von uns ist, dort in Russland oder in Putin oder irgendeinem anderen Menschen. Es ist auch in uns. Alexander Issajewitsch Solschenizyn ein russischer Schriftsteller und Nobelpreisträger, der unter Stalin in den Gulag eingesperrt wurde, hat es einmal so ausgedrückt: „Die Grenze zwischen Gut und Böse verläuft durch das Herz eines jeden Menschen.“ Das Böse es hat seinen Ursprung in mir, in meinem Herzen. Deshalb reicht ein äußerer Frieden, so gut und erstrebenswert er ist, nicht aus. Unser Herz muss verändert, neu werden, damit wirklich Frieden werden kann.

Wie geschieht das? Indem Gott Mensch wird. Ein Mensch mit einem reinen und guten Herz, an dem das Böse ein Ende findet. Es seinen Kreislauf aus Vergeltung und Rache nicht fortsetzen kann, sondern ertragen und damit überwunden wird. Auch das was in mir an Schlechten ist, darf ich zum Kind in der Krippe bringen und mich davon befreien lassen und dadurch neu werden. Es hat meine Boshaftigkeit getragen. Ich bekomme ein neues Herz, dass Frieden hat. Einen Frieden der nach außen strahlt und mich frei macht für ihn einzutreten, um ihn zu beten und darum zu ringen in einer Zeit, die noch so viel Krieg ertragen muss. In dieser Spannung zwischen dem Neuen das in uns anbricht und einer sich selbst zu Grunde richtenden Welt leben wir. Aber mit der Hoffnung, dass es so nicht bleibt, sondern Gottes Friedensreich einmal sichtbar anbrechen wird, wenn Jesus wiederkommt. Deshalb stimmen wir schon jetzt in jedem Gottesdienst mit den Engeln in den Lobpreis Gottes ein, weil wir wie die Hirten Jesus begegnet sind. Wo sein Frieden unser Herz erfüllt, da fängt es an ihn zu loben, denn er hat das Böse in uns und in dieser Welt überwunden und wird allen Kriegen ein Ende machen.

„Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht

Pfarrer Friedemann Liebscher