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Liebe Leserinnen und Leser unseres Gemeindebriefes Februar/März 2022!

    Wie die „Herzlich willkommen“-Inschrift auf dem Fußabtreter vor einer fremden Tür scheint uns die Jahreslosung an der Schwelle zum Lebensraum 2022 zu empfangen. Jedenfalls sieht es auf den ersten Blick so aus: Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. (Johannes 6, 37 b)

    Während man also noch zögerlich nach dem Klingelschild sucht, hört man drinnen schon Schritte entgegenstreben. Schneller als man schellen kann, springt die Tür vor der Nase auf. Als wären wir überpünktlich zu einer Verabredung erschienen. Als hätte uns schon längst jemand sehnlichst erwartet. Das kommt uns gerade recht, die wir doch ständig in Eile sind oder jedenfalls so tun, als sitze uns im neuen Jahr schon wieder die Zeit im Nacken. Ein Aphorismus als Durchlauferhitzer für ausgefrorene Herzen.

    Das wäre doch genau das Richtige für Leute wie uns, die sich mit einem fixen geistlichen Impuls zufriedengeben. Die tägliche Losung als Lösung. Ein kurzer Slogan für Eilige. Speed-Dating mit Jesus. Und dann weiter zu unseren eigentlichen Angelegenheiten und Bemühungen.

    Dabei wäre eine nur kurze Stippvisite bei Christus die reine Zeitverschwendung. Ein Smalltalk des Glaubens ist mit dem Evangelisten Johannes jedenfalls nicht zu haben. Wer das ganze 6. Kapitel im Evangelium liest, woraus die Jahreslosung stammt, lässt sich auf ein tüchtiges Kommen und Gehen ein, und einer verwirrenden Unterredung – mit steilen Aussagen und Ansagen des Herrn. Man muss sich darauf einlassen und man muss sich Zeit lassen, gut durchkauen – die gebotene Kost: das Brot des Lebens.

    Es stellt sich heraus, dass der erste Eindruck in Bezug auf unsere Jahreslosung trügt: Es geht weniger um eine Einladung zu Jesus, so nach der Art „Kommt her alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“, sondern eher um ein Vertiefungsangebot: Wer einmal bei mir angekommen, ist angenommen. Ist an der richtigen Adresse mit allen persönlichen Eigenarten. Christus erklärt sich zuständig, nicht nur für den Moment, sondern auf immer und ewig. Er möchte in Beziehung kommen und bleiben mit denen, die es zu ihm getrieben hat – genauer: die ER, der Vater zu ihm hin in Bewegung gesetzt hat.

    Die Möglichkeit, abgewiesen zu werden, ist ja nicht aus der Luft gegriffen, wie wir wissen. Das hört man dem Vers an, dieses: Nicht zuständig; Nicht jetzt. Kein Einlass. Oder nur begrenzt im vorgegebenen Zeitfenster – an Grenzen, an Haustüren, bei Veranstaltungen, ja selbst in medizinischen Einrichtungen, in Ämtern und Behörden. Antrag zurückgewiesen. Hier keine Bearbeitung.

    Anders Christus: Er hält es mit uns aus. „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ Er bleibt uns gegenüber aufgeschlossen. Ihm geht es darum, dass wir verstehen lernen, was uns treibt und umtreibt, und was er uns beibringt. In der Beziehung mit Christus bleiben wir wachsam und aufgeschlossen für Worte und Gedanken, die wir uns nicht selber geben können. Die aber so nahrhaft sind wie tägliches Brot.

    Offenheit ist die grundlegende Voraussetzung für Entdeckungen, die uns bei einander und in der Gemeinschaft mit Christus halten. Wir wollen zugänglich bleiben – nicht nur durch offene Kirchtüren, sondern auch durch einen aufgeschlossenen Glauben. Unsere „Offene Kirche“ ist ein Ort der Einkehr und der Begegnung – darüber hinaus aber auch eine unmissverständliche Botschaft.

    Denen, die sich mit ihrer Zeit und Kraft daran beteiligen, dass St. Marien auch an Wochentagen zugänglich ist, sei an dieser Stelle einmal aufrichtig gedankt: Waltraud Ranft, Ingo Zimmermann, Karl-Heinz Hofmann, Ulrich Classen, Frieder Baldauf und Holger Stramke.

    Aufgeschlossene Herzen und herzliche Offenheit wünsche ich Ihnen in diesem Jahr 2022.

    Es grüßt Sie Ihr Pfarrer Volkmar Freier