Liebe Leserinnen und Leser unseres Gemeindebriefes!

    Weihnachten, das ist für uns im Erzgebirge eine ganz besondere Zeit.

    Nicht umsonst wird mit dem Erzgebirge als das Weihnachtsland geworben. Und nicht nur die Beleuchtung in den Fenstern und der Trubel auf den Weihnachtsmärkten, die sich drehenden Pyramiden und die Rauchschwaden der Raachermannl zeugen davon, sondern auch unser Stadtwappen erzählt von Weihnachten. Denn die Strahlenkranzmadonna wie sie auf unserem Stadtwappen und auch an mehreren Stellen in unserer Kirche zu sehen ist, bezieht sich auf eine Passage aus der Offenbarung des Johannes, die auch als ein Weihnachtstext gelesen werden will.

    Dort schreibt der Seher im 12.Kapitel:

    1Und es erschien ein großes Zeichen im Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen. 2 Und sie war schwanger und schrie in Kindsnöten und hatte große Qual bei der Geburt. … 5Und sie gebar einen Sohn, einen Knaben, der alle Völker weiden sollte mit eisernem Stabe.“

    Während wir ja gewöhnt sind zu Weihnachten von Maria und Josef, den Hirten und den Weisen aus dem Morgenland zu hören. Nimmt Johannes eine ganz andere Perspektive ein. Er erzählt die Geschichte aus einer himmlischen Sichtweise. Eine, die uns helfen kann unsere Augen zu öffnen für das Wunder, das wir zu Weihnachten feiern. Hinter und neben die Berichte der Evangelien, die die historischen Ereignisse beschreiben, stellt der Prophet seine Vision von der Frau am Himmel, welche einen Sohn gebiert.

    Diese hat eine reiche Auslegungsgeschichte und viel ließe sich dazu sagen, aber ich will mich auf eine Beobachtung beschränken:

    Maria und Josef, der Stall in Bethlehem, die Hirten als erste Gratulanten an der Krippe, das alles entspricht so gar nicht unserer menschlichen Vorstellung von Größe und Macht. Ein König, der Herrscher der Welt geboren in einem Dorf, in einem besetzten Land, Teil eines unterdrückten und besiegten Volkes? Da ist rein äußerlich nichts verheißungsvolles.

    Und doch ist Gottes Perspektive auf dieses Geschehen ganz anders. Von ihm aus geschieht dort in Bethlehem so viel mehr. Seine Verheißung an sein Volk, an alle Menschen beginnt sich zu erfüllen. Sein Plan mit der ganzen Welt kommt zu seinem Ziel. Dieses Geschehen zu Weihnachten es erstreckt sich nicht nur über alle Menschen, sondern ist ein wahrhaft kosmisches Ereignis. Denn durch das „Ja“ Marias zu Gottes Plan mit ihr, wird Gott Mensch. Gott und Schöpfung vereinen sich.

    Sie steht damit in der Gemeinschaft mit dem ganzen Gottes Volk, das in Gottes Willen einwilligt, Ihm vertraut und gegen alle menschlichen Möglichkeiten seine Verheißungen glaubt. Gottes Versprechen an Abraham, Mose, David und viele andere, sie erfüllen sich in Jesus. Deshalb trägt sie die Krone mit den zwölf Sternen, die für die Stämme Israels stehen.

    Sie trägt den Christus in sich und ist damit buchstäblich erfüllt mit Gottes Liebe, deshalb leuchtet sie wie die Sonne. Sie steht auf der Mondsichel im Wissen darum, dass sie wie der Mond aus sich heraus nicht leuchten kann, sondern ganz abhängig davon ist, dass Gott sie anstrahlt und sie dadurch selber hell wird.

    Die Vision des Johannes sie ruft uns zu: Auch da wo wir Gott nicht vermuten und vielleicht nicht einmal spüren, ist er doch da. Seine Herrlichkeit sie ist uns oft verborgen und doch ist sie da. Er ist auch da, wenn wir zu Weihnachten wieder eingeschränkt feiern müssen. Wenn Sie alleine Zuhause sitzen, das „O du fröhliche“ nicht in der Vesper gesungen werden konnte und die Nachbar durch die Maske ein „Frohes Fest“ wünschen. Er ist da und mit ihm sein Licht.

    Lassen wir uns von diesem Licht der Weihnacht die Augen öffnen, dass wir in aller menschlichen Schwäche und Not Gottes Herrlichkeit erkennen. Die sichtbar wird im Kind in der Krippe. Arm und schwach und doch der, der die Welt in seinen Händen hält.

    Es grüßt sie herzlich

    Pfarrer Friedemann Liebscher